{"id":152,"date":"2007-09-19T00:00:50","date_gmt":"2007-09-18T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietricheberle1974mv.de\/?p=152"},"modified":"2012-08-26T11:53:51","modified_gmt":"2012-08-26T09:53:51","slug":"transe-gaule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dietricheberle1974mv.de\/?p=152","title":{"rendered":"Transe Gaule"},"content":{"rendered":"<h2>In 18 Tagen von Roscoff an der Atlantikk\u00fcste \u00fcber 1150 km ans Mittelmeer nach Gruissan Plage<\/h2>\n<p>(15.08.2007 &#8211; 01.09.2007)<\/p>\n<p>Noch im letzten Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, an so einem Lauf teilzunehmen, geschweige denn, ihn erfolgreich zu beenden. Wie bin ich darauf gekommen? 2006 habe ich mit Achim Barthelmann am Fulda-H\u00f6henlauf von Harald Heyde teilgenommen und wir haben abends beim Bier oft \u00fcber Deutschland- und Trans-Europa-Lauf geredet, an denen Achim organisatorisch ma\u00dfgeblich beteiligt und verantwortlich f\u00fcr die Streckenf\u00fchrung ist. Das geht einem dann ein paar Monate durch den Kopf und man \u00fcberlegt, wie das laufen k\u00f6nnte. Dann h\u00f6rte ich von G\u00fcnter Meinhold, da\u00df er am Transe Gaule teilnehmen wollte. Das best\u00e4rkte mich noch zus\u00e4tzlich, zumal der Deutschlandlauf von meiner dienstlichen Urlaubsplanung bei der Hamburger Hochbahn her nicht in 2007 m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz habe ich mich dann bei Jean Benoit Jaouen f\u00fcr die Frankreich-Durchquerung angemeldet, nachdem ich mir das alles im Internet genauer angesehen hatte. Die Meldeliste enthielt auch schon 14 deutsche L\u00e4ufer, davon viele 100 MC Mitglieder. Meine Vorbereitung war im Grunde schon vorher angelaufen mit relativ vielen Marathons mit hohem Ultra-Anteil, L\u00fcHa Fun Run im Februar, dann Rennsteig Langer Kanten, MUM Ultra-Serie in Tschechien, zwei 24h L\u00e4ufe, Wildbahn-Etappenlauf. Beim Start des Transe Gaule hatte ich dann immerhin 49 Marathons incl. Ultras in 2007 beendet, mein Gewicht um 8 kg reduziert und in den letzten Wochen das t\u00e4gliche Training eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am Montag, dem 13.08. fr\u00fchmorgens ging mein LH-Flug nach Paris Charles de Gaulle und weiter mit dem TGV (Train Grande Vitesse) \u00fcber Rennes nach Morlaix. Sigrid Eichner war gleichzeitig eingetroffen und wir wurden mit dem Auto abgeholt, so da\u00df wir ca. 18 h in der Turnhalle in Roscoff eintrafen. Es waren schon einige L\u00e4ufer, der Organisator J.B. , Betreuer und Helfer da. Schlafsack und Isomatte auspacken, und abends erste Besichtigung von Roscoff, direkt am Atlantik \/ \u00c4rmelkanal liegend. Am n\u00e4chsten Tag hat man noch Gelegenheit, sich mental auf den Lauf einzustellen, nicht zuletzt auch bei der Vorstellung der 40 Starter und der vielen Helfer. Abends gemeinsames Essen im Restaurant Angleterre.<\/p>\n<p>Endlich, am Mittwoch, 15. August um 8 h bei Hochwasser erfolgt der Start am Hafen durch den B\u00fcrgermeister. Alle Teilnehmer werden noch einmal kurz vorgestellt. Ich f\u00fclle eine kleine Flasche mit Atlantikwasser, die ich \u00fcber alle Etappen mit mir zum Ziel bringen will. Die ersten 6 km werden ohne Zeitnahme gemeinsam zur\u00fcckgelegt bis nach St. Pol de Leon, J.B.\u00b4s Heimatstadt. Dort erfolgt der Start mit Zeitnahme und bei teils sonnigem Wetter laufen wir die erste Etappe nach Plounevezel \u00fcber gesamt 68 km.<\/p>\n<p>Danach l\u00e4uft alles so oder \u00e4hnlich ab wie bei allen folgenden Etappen: Zieleinlauf in Plounevezel auf dem Marktplatz gegen 16:30 h durch das rote Transe Gaule Zieltor, es gibt Bier und Cola, dann eventuell ein Finisher-Foto, zu Fu\u00df oder ggf. mit Autotransfer zur Halle, das Reisegep\u00e4ck (bei mir gro\u00dfer und kleiner Rucksack) nehmen, Schlafplatz in der Halle belegen (wenn man Gl\u00fcck hat, bekommt man noch eine Turnmatte als Unterlage), duschen, gleichzeitig die Laufkleidung durchwaschen und zum Trocknen aufh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Nun setzt man sich an die von den Helfern aufgebauten Tische, nachdem man sich ein Bolino (so \u00e4hnlich wie 5-Minuten-Terrine) zubereitet hat. Bei Bedarf k\u00fchlen der Achillessehne usw. mit Eisbeuteln. N\u00e4chste Station Massage bei Monique, sehr zu empfehlen! Dann bin ich immer noch losgegangen, um mir die Stadt anzusehen und Postkarten zu schreiben. Au\u00dfer mir konnte sich dazu nur noch Ulrich Zach regelm\u00e4\u00dfig aufraffen. Nach dem Zieldurchlauf aller Teilnehmer (das hat sich hingezogen!) hat J.B. immer sehr schnell die Tages- und Gesamtwertung auf dem LapTop erstellt und ausgeh\u00e4ngt sowie ins Internet gestellt, so da\u00df leider Gott sei Dank alle lieben Laufkollegen in Deutschland sehen konnten, wie gut oder schlecht man die durchschnittlich 63,8 km langen und 820 H\u00f6henmeter enthaltenden Etappen bew\u00e4ltigt hatte.<\/p>\n<p>An jedem 2. Tag ging man dann auf eigene Faust in Gruppen, die sich zusammenfanden, in ein Restaurant zum Essen, vorzugsweise Italiener oder franz\u00f6sische K\u00fcche. Bei unserem Holl\u00e4nder Bram lief das folgenderma\u00dfen ab: Er macht der Bedienung mit mehr oder weniger gutem Franz\u00f6sisch klar, da\u00df er 2 Pizzas essen wolle, und zwar erst eine Pizza z.B. mit Salami, und wenn die alle ist, dann soll die n\u00e4chste, z.B. Quattro Stagioni, serviert werden. Ich habe manchmal auch 2-fach bestellt, z.B. Steak mit Pommes und dann Nudeln. In einigen Lokalen kennt man das schon aus den Vorjahren, aber manchmal dachten die, wir spinnen. An den \u00fcbrigen Tagen gab es gemeinsames Essen in der Halle oder im Restaurant. Es war empfehlenswert, um 21 h, sp\u00e4testens um 22 h im Schlafsack zu liegen.<\/p>\n<p>Denn: Am n\u00e4chsten Morgen um 4:45 h klingelt der Wecker bzw. piept die Uhr, um 5 h geht das Licht an, dann fr\u00fchst\u00fccken, Z\u00e4hne putzen, Schlafsack einrollen, Sachen packen und abgeben, Briefing um 6:15 h mit Infos zur heutigen Etappe (wo sind die Verpflegungsstellen -alle 10 bis 15 km- , wie ist das H\u00f6henprofil, gef\u00e4hrliche Passagen durch Autoverkehr usw.).<\/p>\n<p>Um 6:30 h ist der Start immer dort, wo am Vortag das Ziel war. So durchl\u00e4uft die Transe Gaule \u2013 Karawane auf den ersten Etappen also die rauhe Bretagne mit den Stationen Pontivy, Guer (75er Etappe), Chateaubriant (sehr sch\u00f6nes Schlo\u00df), St. Georges sur Loire. Nach dieser 5. Etappe hat sich das Feld bereits auf 36 reduziert, und es sollten schlie\u00dflich in Gruissan Plage noch 31 von 40 gestarteten Ultras ankommen. Kleine Auswahl der Ursachen: Totale Ersch\u00f6pfung, Leistenbruch, Kn\u00f6chel verstaucht, Entz\u00fcndung am Schienbeinansatz, dickes Knie.<\/p>\n<p>Die 6. Etappe beginnt mit der \u00dcberquerung der Haupt- und Nebenarme der Loire, dann hinauf in die Weinberge. Es gibt jeden Tag mindestens irgendeine Besonderheit. In Angles sur l\u00b4Anglin nach der 8. Etappe finden wir die \u201eh\u00e4rteste\u201c Dusche der Tour vor: Ein Gartenschlauch mit kaltem Wasser. Ja, nur die h\u00e4rtesten kommen durch! Nach der 11. Etappe in Peyrelevade werden wir alle vom B\u00fcrgermeister im Gemeindehaus zu einem kleinen Begr\u00fc\u00dfungstrunk (kam \u00f6fter vor) und anschlie\u00dfendem reichhaltigem Essen incl. Rotwein eingeladen. Nach dem Einstieg in das Massif Central ist das hier aber auch die schmutzigste Halle (keine Matten), also eine m\u00f6glichst gro\u00dffl\u00e4chige franz\u00f6sische Tageszeitung kaufen und unterlegen. Ja, nur die h\u00e4rtesten&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Auf Etappe 13 nach Aurillac \u00fcberlaufen wir den h\u00f6chsten Punkt der Tour, den Col de Legal, 1231 m, bei Temperaturen um 30\u00b0. Die 16. Etappe enth\u00e4lt dann ein paar km vor dem Ziel die lang ersehnte 1000 km- Marke. Am n\u00e4chsten Tag nach St. Pons de Thomieres wird den 31 Gaulisten noch einmal alles abverlangt, diese 70 km- Etappe mit der h\u00f6chsten H\u00f6hendifferenz bietet + 1300 \u20131340 Hm. Das f\u00e4llt nicht nur mir heute schwer bei mehreren Anstiegen auf ca. 900 m, dann noch ein starkes Schlu\u00dfgef\u00e4lle von ca. 10 km L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Die 18. und letzte Etappe wird uns nun am Sonnabend, dem 1. September endlich wieder ans Meer f\u00fchren, \u00fcber einen Pa\u00df hinab, durch Weinfelder, es wird immer flacher, viele endlose km f\u00fchren an einem sch\u00f6nen, aber f\u00fcrchterlich geraden Kanal entlang, und die 72 km scheinen nicht enden zu wollen. Dann sieht man den Ort Gruissan mit der markanten Burgruine vor sich, aber Gruissan Plage befindet sich noch dahinter, es geht eine lange Promenade entlang, bis endlich das rote Zieltor des Transe Gaule auf dem breiten Sandstrand die Finisher w\u00fcrdig begr\u00fc\u00dft, zusammen mit den Betreuern, Helfern und schon angekommenen L\u00e4ufern. Nach dem Zieldurchlauf \u00fcberreicht J.B. mir das Finisher-T-Shirt mit einem * Stern (1x gefinisht).<\/p>\n<p>Nun kommt noch ein gro\u00dfer Moment. Ich gie\u00dfe das Wasser aus Roscoff aus der kleinen Flasche feierlich ins Mittelmeer und f\u00fclle die Flasche zum Andenken mit Eau Mediterranaire. Heute ist alles etwas anders, zun\u00e4chst wie immer das Lager in der Halle aufschlagen und duschen, eine Kleinigkeit essen und trinken. Dann aber: Die Siegerehrung! Alle Finisher bekommen das gro\u00dfe Transe Gaule- Abzeichen und viel Anerkennung, noch mehr wird fotografiert, danach das Abendessen bei gutem Wetter drau\u00dfen auf dem Vorplatz, Paella und reichlich Rotwein. Die Stimmung ist gut wie w\u00e4hrend aller Etappen. Morgen fr\u00fch d\u00fcrfen wir alle endlich mal wieder etwas l\u00e4nger schlafen und dann gem\u00fctlich in der Boulangerie fr\u00fchst\u00fccken.<\/p>\n<p>Meine R\u00fcckkehr nach Deutschland ist erst f\u00fcr Montag vorgesehen und so suche ich mir ein Hotelzimmer, was nicht schwer ist, denn die Franzosen haben zum Ende der Sommerferien geschlossen und fluchtartig den Ort verlassen. Ich besichtige die Burgruine auf dem Felsen inmitten von Gruissan, schreibe noch ein paar Kartengr\u00fc\u00dfe und lasse es mir gut gehen. Abends zum Abschlu\u00df noch ein gutes Essen im Stra\u00dfenrestaurant. Am 3. September morgens verabschiede ich mich mit dem Bus endg\u00fcltig vom Transe Gaule und fahre nach Montpellier. Der TGV bringt mich schnell nach Paris Charles de Gaulle, um 19:30 h fliege ich nach Hamburg, Gunla holt mich ab und wir gehen in Hittfeld noch ins Restaurant, nat\u00fcrlich zum &#8230;.. Italiener.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Dietrich Eberle)<\/p>\n<p>P.S.<br \/>\nMeine Gesamtzeit war 138 h 47 min 13 sec<br \/>\nGesamt 12. von 31 Finishern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In 18 Tagen von Roscoff an der Atlantikk\u00fcste \u00fcber 1150 km ans Mittelmeer nach Gruissan Plage (15.08.2007 &#8211; 01.09.2007) Noch im letzten Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, an so einem Lauf teilzunehmen, geschweige denn, ihn erfolgreich zu beenden. 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